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Ein bewegendes Zeitzeugengespräch

Ein bewegendes Zeitzeugengespräch

Am 29. Oktober 2026 hatten wir, die Schülerinnen und Schüler unseres Shoa-Projekts, die besondere Gelegenheit, an einem Zeitzeugengespräch mit der Auschwitz-Überlebenden Anna Strishkowa teilzunehmen. Begleitet wurden wir dabei von unseren Lehrern Herrn Henschel und Herrn Korb. Die Begegnung hat uns alle sehr bewegt und uns einen persönlichen Einblick in eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte gegeben.

Anna Strishkowa berichtete von ihren Erlebnissen während des Holocaust. Bereits als kleines Kind wurde sie gemeinsam mit ihrer Familie in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort wurde sie von ihrer Familie getrennt und musste unvorstellbares Leid erfahren. Unter anderem erzählte sie davon, dass ihr immer wieder große Mengen Blut abgenommen wurden, um verwundeten Soldaten zu helfen. Ihre Schilderungen machten uns deutlich, wie grausam und unmenschlich die Nationalsozialisten selbst mit den jüngsten Opfern umgingen.

Besonders eindrücklich war auch ihre Erzählung über die Zeit nach Auschwitz. Am Kiewer Bahnhof begegnete sie einer Frau, die sie bei sich aufnahm und schließlich großzog. Doch obwohl Anna Strishkowa nun ein neues Zuhause hatte, begleiteten sie die traumatischen Erlebnisse ihrer frühen Kindheit weiterhin. So hatte sie beispielsweise Schwierigkeiten beim Essen. Auch Arztbesuche waren für sie mit großer Angst verbunden. Sie verkroch sich in einer Ecke und begann zu zittern. Diese Reaktionen zeigten, wie tief sich die Erfahrungen aus Auschwitz in ihr Gedächtnis und ihren Körper eingeprägt hatten. Trotz all dieser schrecklichen Erfahrungen nahm ihre Geschichte auch eine glückliche Wendung: Mithilfe ihrer Tätowierungsnummer aus Auschwitz gelang es ihr, ihre Familie wiederzufinden und gemeinsame Zeit mit ihr zu verbringen.

Bei dem Gespräch war auch ihre Tochter anwesend. Diese las einige Ausschnitte aus einem Buch vor, das sie derzeit über das Leben ihrer Mutter schreibt. Dabei sprach sie über das sogenannte „genetische Gedächtnis“ und darüber, wie sich traumatische Erfahrungen möglicherweise auch auf nachfolgende Generationen auswirken können. Besonders bewegend war ihre Beschreibung der eigenen Reaktionen auf die deutsche Sprache und deutsche Lieder. Obwohl sie heute bewusst offen damit umgehen möchte, reagiert ihr Körper manchmal noch immer mit einer starken körperlichen Anspannung oder einem regelrechten Zusammensacken. Dies verdeutlichte uns, dass die Folgen des Holocaust nicht unbedingt mit dem Ende des Krieges aufhörten, sondern Familien über Generationen hinweg begleiten können.

Für uns Schülerinnen und Schüler war dieses Gespräch eine außergewöhnliche und emotionale Erfahrung. Wir kennen den Holocaust hauptsächlich aus Geschichtsbüchern, Dokumentationen und dem Unterricht. Einer Frau persönlich zuzuhören, die diese grausame Zeit selbst überlebt hat, war jedoch etwas völlig anderes. 

Das Gespräch hat uns nicht nur tief berührt, sondern auch zum Nachdenken gebracht. Es hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, die Erinnerungen der Überlebenden zu bewahren, ihnen zuzuhören und ihre Geschichten an kommende Generationen weiterzugeben. Gerade in einer Zeit, in der es immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gibt, tragen auch wir jungen Menschen die Verantwortung dafür, dass diese Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.

Lara Gutsche und Quentin Crain, 11