{"id":12537,"date":"2024-11-24T11:38:26","date_gmt":"2024-11-24T10:38:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gymnasium-schkeuditz.de\/?p=12537"},"modified":"2024-11-24T11:38:26","modified_gmt":"2024-11-24T10:38:26","slug":"interview-mit-herrn-henschel-unserem-europameister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gymnasium-schkeuditz.de\/?p=12537","title":{"rendered":"Interview mit Herrn Henschel, unserem Europameister"},"content":{"rendered":"\n<p><br><strong><em>Lieber Herr Henschel, erz\u00e4hlen Sie bitte erst einmal, bei welchem Ruderverein Sie sind und wie lange Sie schon rudern!&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Also, ich rudere seit 1994, 30 Jahre jetzt schon. Und zun\u00e4chst habe ich als Kind bei dem Ruderverein Triton das Rudern gelernt und als ich dann Abitur gemacht habe und studierte, habe ich viele Jahre nicht gerudert. Seit 2007 bin ich Mitglied im Akademischen Ruderverein zu Leipzig und rudere dort flei\u00dfig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was hat Sie dazu gebracht, sich f\u00fcr das Rudern zu entscheiden und was gef\u00e4llt Ihnen daran jetzt so gut?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist schon so lange her. Warum habe ich mit Rudern angefangen? Ich hatte, als ich so 12, 13, 14 war, verschiedene Sportarten ausprobiert und diese haben mir alle nicht so richtig gefallen. Ich war vorher mal beim Schwimmen, fand ich nicht so gro\u00dfartig. Kampfsport habe ich auch gemacht, fand ich auch nicht so gut. Meine Eltern haben dann vorgeschlagen, dass ich Rudern ausprobieren k\u00f6nnte. Und das habe ich gemacht und es hat mir richtig gut gefallen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Winter ist der Sport nicht ganz so interessant. Da macht man oft nur Krafttraining oder qu\u00e4lt sich im Ruderkasten oder auf dem Ruderergometer. Aber wenn es dann endlich im Fr\u00fchjahr aufs Wasser geht, das Boot \u00fcbers Wasser gleitet, man an der frischen Luft ist, sich so richtig sch\u00f6n auspowern kann und jeden einzelnen Muskel im K\u00f6rper sp\u00fcrt, sind die M\u00fchen des Wintertrainings vergessen. Dann gibt es fast nichts Sch\u00f6neres.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn man dann zur Regatta f\u00e4hrt und am Start im Boot sitzt und auf das Startsignal wartet, ist man super aufgeregt. Sobald das Startsignal ert\u00f6nt, schie\u00dft man das Boot den Fluss oder den See hinunter und links und rechts neben einem sind andere Ruder, die genauso zotteln und man gibt alles, um die Gegner nicht vorbeizulassen. Das ist einfach toll, das macht Spa\u00df. Wenn dann am Ende eine gute Platzierung erreicht wurde, sich die Aufregung gelegt hat, ist das immer richtig sch\u00f6n. Also auch dieser Wettkampfcharakter reizt mich sehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was w\u00fcrden Sie sagen, ist denn das Wichtigste beim Rudern?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00e4ngt von den Bootsklassen ab. Ich bin kein typischer Einer-Fahrer. Da w\u00fcrde ich sehr schnell die Lust verlieren, wenn ich immer nur allein trainieren m\u00fcsste.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mag es sehr, in den Mannschaftsbooten zu fahren. Man trifft sich zu viert oder zu acht und trainiert gemeinsam und f\u00e4hrt mit den Freunden zu den Wettk\u00e4mpfen. Dieser Team-Spirit ist beim Rudern extrem wichtig. Das Boot wird dann richtig schnell, wenn alle zusammenarbeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wir haben geh\u00f6rt, Sie haben ja an der Weltmeisterschaft im Rudern mit Ihrem Team teilgenommen. Welchen Platz haben Sie belegt und sind Sie damit zufrieden?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die beste Platzierung war da ein dritter Platz. Im Rudern ist es leider oft so, dass nur der Sieger eine Medaille bekommt. Die Zweit- und Drittplatzierten gehen oft leer aus. Das \u00e4ndert aber nichts daran, dass wir uns \u00fcber den dritten Platz sehr gefreut haben. Wenn man sich \u00fcberlegt, dass auch Boote aus Spanien, Ungarn, Mexiko, Chile und sogar Asien dabei waren, ist so ein dritter Platz gar nicht mal so schlecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir waren in unseren Rennen meistens die schnellste deutsche Mannschaft. Wir k\u00f6nnen also mit Stolz behaupten, dass wir auf nationaler Ebene in unserer Altersklasse zu den Besten geh\u00f6ren. Wir sind mit unserer Teilnahme an der Weltmeisterschaft sehr zufrieden, auch wenn wir keine Medaille erringen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was wollen Sie beim n\u00e4chsten Mal erreichen beziehungsweise was wollen Sie verbessern?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Jahr fanden die Europa- und die Weltmeisterschaft in Deutschland (Brandenburg an der Havel und in M\u00fcnchen) statt. Das erleichterte die Teilnahme enorm. N\u00e4chstes Jahr sind die Euro-Masters zum Beispiel in Bled (Slowenien). Slowenien ist schon sehr weit weg, sodass der Aufwand zu gro\u00df ist. Wir m\u00fcssten unser Boot mit dem H\u00e4nger dorthin ziehen. Da ist man bestimmt zwei Tage unterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4chstes Jahr peilen wir daher die Offenen Deutschen Masters Meisterschaften in Krefeld an. Dort wollen wir wieder angreifen und m\u00f6glichst gut abschneiden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Haben Sie denn vor so einem Wettbewerb besondere Rituale?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, na klar. Wenn wir an der Regattastrecke angekommen sind, muss das Boot wieder zusammengebaut werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann stellen die Veranstalter manchmal Ruderergometer zur Verf\u00fcgung. Die nutzen wir dann, um uns mindestens 15 Minuten einzufahren. Dabei kommt man richtig ins Schwitzen und der K\u00f6rper wird wach. Er merkt dann, dass jetzt gleich ein Wettkampf stattfindet. Die Muskulatur und der Kreislauf m\u00fcssen richtig erw\u00e4rmt werden, um im Rennen die maximale Leistung abrufen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend dehnt man sich noch etwas. Kurz vor dem Ablegen ist immer noch eine Mannschaftsbesprechung, bei der die Renntaktik besprochen wird: wie wir den Start fahren, wann ein Zwischenspurt eingelegt wird, wann der Endspurt beginnt usw.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann geht man schon aufs Wasser und f\u00e4hrt zum Start hoch. Auf dem Weg dorthin fahren wir uns noch ein bisschen ein und \u00fcben die Startschl\u00e4ge.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Und wie haben Sie sich dann eigentlich vor, w\u00e4hrend und nach diesem Wettkampf gef\u00fchlt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Wettkampf ist die Nervosit\u00e4t immer das Schlimmste.&nbsp;&nbsp;Man steht am Start und muss warten, bis man endlich an der Reihe ist. Auf der einen Seite will man, dass es endlich losgeht, und auf der anderen Seite denke ich mir immer: \u201eIch k\u00f6nnte jetzt so sch\u00f6n zu Hause auf der Terrasse sitzen und mit meiner Frau einen Kaffee trinken. Warum tue ich mir das jedes Mal aufs Neue an?\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Rennens sp\u00fcrt man eigentlich nur Schmerz. Es brennen die Muskeln, es brennt die Lunge und man gibt einfach alles.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir dann aber das Ziel erreicht haben und das Boot ordentlich lief, bin ich einfach nur erleichtert und ersch\u00f6pft.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie w\u00fcrden Sie Ihr Team beschreiben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie ich es beschreiben w\u00fcrde? Ziemlich chaotisch. Wir sind alles Hobby-Ruderer. Da gibt es Leute, die haben in ihrer Jugend richtig Leistungssport gemacht. Einige haben es sogar fast bis in die Nationalmannschaft geschafft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Andere wiederum haben erst sp\u00e4ter als Erwachsene mit Rudern angefangen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind also eine bunte Truppe und deswegen ist es manchmal mehr und manchmal weniger chaotisch. Zum Rennen sind dann alle im Boot hochkonzentriert und fokussiert. Meistens absolvieren wir dann auch gute Rennen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie w\u00fcrden Sie sich in vier, f\u00fcnf Worten beschreiben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diszipliniert. Ich versuche, zu allen Trainingseinheiten zu kommen und die Anweisungen des Trainers umzusetzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht der St\u00e4rkste in der Mannschaft. Da gibt es andere, die sind deutlich kr\u00e4ftiger.<\/p>\n\n\n\n<p>Ehrgeizig. Wenn ich an den Start gehe, m\u00f6chte ich auch gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Team-Spirit.&nbsp;&nbsp;Mir ist es wichtig, dass in der Mannschaft die Moral und die Stimmung gut ist, denn nur dann kann so ein Mannschaftsboot gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sind Sie in Ihrer Mannschaft eher derjenige, der die Befehle gibt oder der, der sie einfach umsetzt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00e4ngt von meiner Position ab, auf der ich sitze. Ich fahre oft als Schlagmann. Dann gebe ich jeden Schlag vor und die anderen, die hinter mir sitzen, m\u00fcssen meinen Schlag \u00fcbernehmen. Wenn das Boot nicht l\u00e4uft, gebe ich Kommandos nach hinten durch und die Mannschaft muss diese auch umsetzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab in der Saison auch Rennen, in denen sa\u00df ich im Mittelschiff. Da war ich nicht der Schlagmann und habe die Kommandos ausf\u00fchren m\u00fcssen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie w\u00fcrden Sie Ihr Team auf einer Skala von 1 bis 10 beschreiben? Also 10 ist das Beste, und 0 ist wirklich schlecht<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine 7.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Na ja, weil wir eben so eine chaotische Truppe sind. Es h\u00e4ngt immer ein bisschen davon ab, wer mit im Boot sitzt. Unsere Mannschaft besteht aus ca.15 Sportlern. In den Achter passen maximal acht Mann. Da gibt es also h\u00e4ufige Wechsel in der Mannschaft. Wenn acht richtig Gute drinsitzen, sind wir fast unschlagbar. Aber es gibt auch Tage, da sitzt einer mit im Boot, der erst sp\u00e4t das Rudern gelernt hat. Das ist dann nicht optimal und das Boot l\u00e4uft weniger gut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Womit verbinden Sie dann das Wort Rudern?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Spa\u00df. Mir macht es Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Haben Sie denn noch andere Hobbys, abgesehen vom Rudern? Was machen Sie also gerne in Ihrer Freizeit?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin ein leidenschaftlicher G\u00e4rtner. Ich liebe es, in der Erde zu w\u00fchlen, Unkraut zu j\u00e4ten und Rasen zu m\u00e4hen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wandere auch sehr viel und nat\u00fcrlich vertreibe ich mir wahnsinnig gern die Zeit mit einem guten Buch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sagen Sie, wenn Sie doch so gerne rudern, warum sind Sie dann eigentlich trotzdem Lehrer f\u00fcr Deutsch und Geschichte geworden oder warum haben Sie jetzt nicht Rudern quasi zu Ihrem Beruf gemacht als Leistungssportler?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Naja, weil es bei mir f\u00fcr den absoluten Leistungssport leider nicht gereicht hat. Da muss man auf nationaler Ebene absolute Spitze erst sein, um international etwas erreichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der andere Grund sind meine Eltern. Sie waren Sportlehrer und so konnte ich von klein auf miterleben, was das f\u00fcr ein toller Beruf ist. Da war die Entscheidung recht schnell gefallen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welches der F\u00e4cher m\u00f6gen Sie mehr?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kann ich jetzt gar nicht so sagen. Ich mache Deutsch sehr gerne, gerade in den gr\u00f6\u00dferen Klassen. Ich unterrichte aber auch Geschichte sehr gerne.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Beide F\u00e4cher bereiten mir Freude. In den letzten Jahren habe ich immer sehr viel Deutsch unterrichten d\u00fcrfen und weniger Geschichte. Das finde ich dann schon ein bisschen schade, aber ich kann jetzt nicht sagen, ich mag das eine mehr und das andere weniger.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrten Jette Pecher und Jannes Hoffmann aus der Klasse 10a.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieber Herr Henschel, erz\u00e4hlen Sie bitte erst einmal, bei welchem Ruderverein Sie sind und wie lange Sie schon rudern!&nbsp; Also, ich rudere seit 1994, 30 Jahre jetzt schon. 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