Nie wieder

Nie wieder

Ein Zeitzeugengespräch

Ich bin getauft und konfirmiert, doch als ich mit nicht einmal 16 Jahren als letzte Generation in den Krieg berufen wurde, habe ich Dinge gesehen, die meinen Glauben erloschen. Kein Gott kann so etwas wollen. Und mit dem Krieg will ich nie wieder etwas zu tun haben.“

Dann musste er unterbrechen. Zu viele Erinnerungen. Zu viel Grauen.

Sein Name ist Günter Kümmel, 1929 in Schkeuditz geboren und er erklärte sich bereit mit der Stolpersteingruppe unseres Gymnasiums ein Zeitzeugengespräch zu führen und uns über das dunkle Zeitalter deutscher Geschichte aus erster Hand zu berichten. Ab 1936 besuchte er die Schkeuditzer Volksschule, welche in denselben Mauern, in denen sich heute unser Gymnasium befindet, ihre Schüler erzog. An seinen Lehrer  Herrn Tümmel – ein „Obernazi“ – erinnert er sich nur mit Verachtung, mit der gleichen Verachtung, die er für den Nationalsozialismus, für die Judenverfolgung und für den Krieg empfindet:

„Ich dachte, die Menschen hätten aus der Vergangenheit gelernt, doch unsere Soldaten sind immer noch in Afrika und Afghanistan! Und wenn ich die Nachrichten höre, in denen gesagt wird, dass wieder 50 Menschen ihr Leben lassen mussten, so kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Krieg ist gegen das Grundgesetz und nie wieder sollte jemand etwas Derartiges sehen, was ich erleben musste.“

Und dann folgten Ausschnitte über Geschehnisse an der Front, über einen verlorenen Freund. „Wir waren noch Kinder.“, sagte Herr Kümmel den Tränen nahe, bevor wir dem Gespräch wieder eine neue Richtung gaben. Er kannte die Familie Golderberger persönlich, berichtete über die Reichspogromnacht 1938 in Leipzig und wie danach einer seiner jüdischen Klassenkameraden flüchtete, sein Lehrer die skrupellosen Anschläge  lobte und gar nicht mehr von seiner Begeisterung  ablassen konnte.

„Nie wieder soll es etwas Vergleichbares geben!“

                Anna Seehagen und Florian Voigt, 11