Deutschland vs USA: Schule – Teil 2

„Größer, höher, weiter“ – das scheint das Motto zu sein, unter dem die USA täglich leben. Alles muss besser sein als zuvor, und selbst die kleinste technische Innovation ist das Beste, was es je gab. Das gilt nicht nur für technischen Fortschritt, sondern auch für Bildung und Schule. Oder? Wie viel steckt wirklich hinter dem Land der vielen Möglichkeiten, vor allem im Vergleich mit Deutschland? Genau damit wollen wir uns in einer neuen Reihe von Artikeln auseinandersetzen. Brit von Ryssel war für ein Jahr in den USA und hat somit viele Probleme hautnah miterlebt. Hier also nun der zweite Teil:

 

Redaktion: Ist Schule in den USA eigentlich einfacher oder schwerer, als in Deutschland?

Brit: Also meiner Meinung ist sie sehr viel einfacher als hier. Wie bereits gesagt kann man sich dort die Fächer selbst wählen. Ich selbst hatte sogar einige schwerere Fächer gewählt und trotzdem fiel es mir recht leicht eine 1 in jedem Fach zu kriegen, womit ich hier in Deutschland oft meine Probleme habe. Das liegt zum einen daran, dass man in Amerika bis auf ein paar Aufsätze in Englisch nur Multiple – Choice Tests schreibt, die dementsprechend einfach sind, zum anderen liegt es aber auch daran, dass Amerikaner in einem Jahr viel weniger lernen als wir. Ich habe mein Auslandsjahr zum großen Teil damit verbracht, Lernstoff von der 7. bis zur 10. Klasse zu wiederholen, da wir nicht mehr als das und nur sehr oberflächlich gelernt haben. Es fiel mir also dementsprechend leicht, gut in der Schule zu sein. Anders sah das wiederum bei den amerikanischen Schülern aus, denn so einfach das für viele von uns klingen mag, so unmotiviert sind viele von ihnen das Ganze zu lernen. Und selbst Schüler, die wirklich sehr gut sind, bräuchten wahrscheinlich eine Weile, um sich an die deutsche Schule zu gewöhnen.

Redaktion: Wie sind eigentlich amerikanische Lehrer und ihre Methoden?

Brit: Anders als in vielen amerikanischen Filmen sind die meisten Lehrer überhaupt nicht streng und vor allem sehr jung. Ich hatte nur einen einzigen Lehrer, der älter als 50 war und von denen, die ich sonst gesehen habe, gab es auch nicht viel mehr. Vor allem auch die jungen Lehrer haben versucht, mit den Schülern auf einer sehr freundschaftlichen Basis zu interagieren und so sah ich am Ende des Jahres viele Lehrer mehr als Freunde anstatt als Autoritätspersonen. Eine Freundschaft zwischen Schüler und Lehrer hat nun auch wieder ihre Vor- und Nachteile, ich selbst empfand es aber als sehr angenehm, lasse ich mir doch viel lieber etwas von einem Freund erklären als von jemandem, den ich nicht leiden kann.

Redaktion: Du hast ja jetzt schon wirklich viel Positives über Schule in Amerika erzählt. Aber gibt es auch etwas, was dir nicht gefallen hat?

Brit: Das ist auch wieder eine recht schwere Frage, vor allem, weil es relativ kompliziert zu erklären ist. Ich hatte ja schon erzählt, dass „School Spirit“ heißt, in jeder Situation zusammen zu halten. Das stimmt weitestgehend auch und wenn man sich das Ganze von außen ansehen würde, könnte man auch nichts anderes behaupten – jeder kommt anscheinend mit jedem gut klar. Doch wie so oft trügt der Schein. Zwar ist jeder freundlich zu jedem, aber eben eher oberflächlich und nur zu seinen richtigen Freunden ist man ehrlich. Ich fand es ein bisschen schade, doch letztendlich ist auch das ein wenig amerikanische Mentalität und nicht änderbar. So lange es nur das ist, kann man, denke ich, damit leben.

Brit von Ryssel, Kl. 11