White Horse Theatre in Schkeuditz

Ein alljährliches Highlight kurz vor Weihnachten am Gymnasium Schkeuditz war am 11.Dezember der Besuch des White Horse Theatre im Kulturhaus Sonne. Mittlerweile zum 5. Mal besuchten die Klassen 5 bis 7, 8 bis 10 und 11 bis 12 jeweils unterschiedliche, auf Alter und Sprachkenntnisse zugeschnittene Theaterstücke.
Die Theatergruppe existiert nun schon 24 Jahre, gegründet von Peter Griffith, einem Lehrer aus Südengland mit Talent zur Schauspielerei. Zusammen mit ihm und einem Team aus fast 30 Produzenten und über 20 englischen Schauspielern sind schon mehr als 30 Stücke entstanden. Diese begeistern jährlich fast 350.000 Schüler deutscher Gymnasien, Hauptschulen, Realschulen und seit einiger Zeit auch Grundschulen. Doch auch in Ländern wie Schweden, Japan oder China ist das White Horse Theatre präsent. Dafür touren jeweils Gruppen aus vier bis sechs Schauspielern durch die jeweiligen Staaten um ihre Stücke zum Besten zu geben. Thematisiert in den szenischen Spielen werden dabei alltägliche und aktuelle Dinge wie Mobbing, Rassismus, Freundschaft und Liebe. Aber auch weltweite Geschehnisse wie zum Beispiel der Syrien-Konflikt werden aufgegriffen und in den Stücken verarbeitet, immer mit dem Ziel, den Schülern eine Botschaft mitzugeben. Genau dieser Syrien-Konflikt spielt eine Rolle in dem Stück „Promised Land“, welches vor den Klassen 8 bis 10 aufgeführt wurde. Die Hauptfigur Ravi, ein junger syrischer Flüchtling, ist voller Hoffnung, in England ein besseres Leben zu finden. Zusammen mit seiner Mutter flüchtet er Richtung England, verliert sie jedoch in Calais und muss alleine auf der Insel zurechtkommen. Immer mit dem Problem begleitet, dass seine einzigen Sprachkenntnisse „How do you do?“ sind. Diese Sprachbarriere wird witzig aufgegriffen und lockert das doch sonst sehr ernste Thema auf. Auf die Frage, was er bei der Polizei wolle und er ahnungslos „How do you do?“ antwortet, lacht das ganze Publikum.Nach zwei Jahren in einem Auffanglager wird Ravis Mutter schließlich nach England geholt und beide bekommen Asyl gewährt. Sie ziehen in die Gough Street, einem heruntergekommenen Wohngebiet. Dort wird Ravi sehr bald mit der „Gough Street Gang“ konfrontiert,bestehend aus den zwei Mädchen Fiz und Snoz, angeführt von dem Jungen Jaz. Von da an ist er Fremdenfeindlichkeit, Gewalt, Diebstahl und Beleidigungen ausgesetzt. Als er von den drei Jugendlichen zusammengeschlagen und beraubt wird, versucht Ravi mit Fiz zu reden und sein Geld zurück zu bekommen. Er erzählt ihr von seiner Flucht und dem Tod seines Vaters durch sein politisches Engagement. An dieser Stelle wird wieder der Bezug zu weltweiten Ereignissen deutlich. Ravi kann das Mädchen überzeugen, das Geld zurück zu bekommen und wird ihr sympathisch, wie später auch Snoz. Daraufhin wenden sich die Mädchen von Jaz und seinen rechtsradikalen Überzeugungen ab. Am Ende des Theaterstücks kann man sehen, wie sich Ravi, Fiz und Snoz in der Gough Street treffen und gemeinsam etwas unternehmen.
Die sehr gute schauspielerische Darstellung des Ravi macht es dem Zuschauer möglich, sich mit den Problemen eines Asylanten zu identifizieren. Man wird angeregt, über die Haltung der Gesellschaft gegenüber Flüchtlingen nachzudenken. Doch auch das authentische Spiel der „Gough Street Gang“ zeigt sehr wirksam die Gedanken und Meinungen über fremde Einwanderer.
Alles in allem ist „Promised Land“ ein äußert gutes Theaterstück mit einem ernsten Hintergrund. Die Handlung macht teils humorvoll, teils ernst auf die Situation in Syrien aufmerksam. Den Schülern wird gezeigt wie es syrischen Flüchtlingen ergeht und dass ihre Suche nach Schutz in anderen Ländern meistens nur der Anfang weiterer Probleme ist. Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit erschweren es den Menschen in ihrer neuen Heimat zurechtzukommen. Denn das „Promised Land“ oder auch das„Gelobte Land“ ist nicht das, was es verspricht, wenn man den Asylbewerbern feindlich entgegentritt. Es ist das traurige Gegenteil davon. Dies wird deutlich gezeigt und versucht, dem Zuschauer mit auf den Weg zu geben. Das Feedback der Schüler und Lehrer ist wie immer überaus positiv. Die Schauspieler verlassen unter großem Beifall die Spielfläche.

Julia Bolle, Gymnasium Schkeuditz, Klasse 9a