In den letzten zwei Jahren in der Schule macht man sich natürlich Gedanken, was man nach dem Abitur so anstellen möchte. Fängt man gleich an zu studieren? Geht man für ein Jahr ins Ausland? Oder macht einfach mal ein Jahr frei? Ich entschied mich für ein praktisches Jahr und wollte jeweils drei Monate in verschiedenen Firmen ein Praktikum absolvieren, um meinen Studienwunsch zu konkretisieren. Nach der Zeit im Technikteam unserer Schule denke ich nämlich z.B. an ein Medientechnik-Studium. Warum 3 Monate? Bei freiwilligen Praktika bis 3 Monate müssen die Firmen keinen Mindestlohn bezahlen und sind dadurch auch eher bereit, einen Praktikanten einzustellen.

Also begann ich Anfang der 11. Klasse Bewerbungen zu schreiben. Doch bald merkte ich, dass es gar nicht so leicht ist, schnell drei Zusagen für den Zeitraum zu bekommen. Im Endeffekt standen knapp 15 geschriebenen Bewerbungen drei positive Antworten gegenüber. Ein ernüchterndes Ergebnis, da von den meisten Firmen nicht mal eine Antwort auf die Bewerbung zurückkam.

Kleiner Zeitsprung: Am 1. September begann ich mein Praktikum bei der Prosoft Krippner GmbH. Dort habe ich Computer zusammengebaut, kaputte Geräte repariert, bei Kunden gearbeitet und jegliche Technik angeliefert. Anfangs ungewohnt 9 Stunden am Tag in der Firma zu sein, stellte sich für mich der größte Vorteil im Vergleich zur Schule in wirklich richtig freien Wochenenden dar. Insgesamt ein Praktikum, das sehr interessant und aufschlussreich war, obwohl es im Endeffekt nicht das war, was ich gerne mein ganzes Leben machen würde. Im Januar starte ich mein zweites Praktikum im Bereich Veranstaltungstechnik.

Was ist organisatorisch und finanziell zu beachten?

Dadurch, dass die Firmen keinen Lohn zahlen müssen, verzichten viele auch darauf. Trotzdem hat man aber laufende Kosten für z.B. Monatstickets, wobei die LVB mit Vorlage der Praktikumsverträge auch AzubiTickets ausstellt. Die Familienversicherung bei den Eltern bleibt bestehen und selbst Kindergeld wird weitergezahlt, wenn das Praktikum der Qualifikation für die Ausbildung dient.

Nach meinem ersten Praktikum kann ich jedem so ein praktisches Jahr nur empfehlen. Man sieht über einen längeren Zeitraum, ob der Beruf wirklich etwas für einen ist. Außerdem stellen manche Firmen einem auch die Option frei, während des Studiums bei ihnen nebenbei noch Geld zu verdienen.

Tobias Berlich, Abijahrgang 2019