Am Montag, dem 25.11.2019, starteten wir gut gelaunt mit dem Bus in Richtung Berlin. Bei einer anschließenden Rundfahrt durch das Regierungsviertel erhielten wir erste Eindrücke vom Bundesrat, Bundestag und den landestypisch gebauten Botschaften. Mit erstaunten Gesichtern blickten wir auf die Botschaft des Königreiches Saudi Arabiens, welche uns mit ihrem arabischen Baustil in die Geschichten von Tausendundeine Nacht versetzte. Es folgte ein Besuch im Bundesrat. Nachdem wir über die Aufgaben und die Räumlichkeiten informiert worden waren, begaben wir uns in einen nachgestellten Plenarsaal, um ein Rollenspiel durchzuführen, in welchem wir die Entstehung eines Gesetzes diskutiert haben. Unser Thema war das Tempolimit von 120 km/h auf deutschen Autobahnen, vertreten durch Bundesratspräsidentin und Vertretern der Bundesregierung. Die Repräsentanten der Bundesländer konnten dem vorliegenden Entwurf zustimmen, Änderungsvorschläge einbringen oder sich für eine Ablehnung entscheiden. Mit absoluter Mehrheit wurde gegen das Gesetz gestimmt. Nach der einstündigen Debatte freuten sich alle auf das bevorstehende Mittagessen, denn Politik macht hungrig! Als letzter Punkt stand der Besuch des Auswärtigen Amtes auf dem Programm. Dort hatten wir ein interessantes Gespräch mit dem ehemaligen Botschafter Dr. Adolf von Wagner. Dieser klärte uns über die Aufgabenfelder eines Diplomaten auf und erzählte eine Menge über sein Leben als Regierungsvertreter. Anschließend gab er uns die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Unter anderem diskutierten wir mit ihm über die Aufnahme der Türkei in die EU und fragten ihn nach seiner Meinung zum Brexit. Jedoch wurden nicht nur politische Fragen gestellt, auch auf private Themen gab uns Dr. von Wagner immer eine ehrliche Antwort. Abschließend erhielten wir noch einen Tipp, wie man gut verhandeln kann: das Wichtigste ist immer die Freundlichkeit!
Mit seiner Ehrlichkeit, Offenheit und sympathischen Art weckte er großes Interesse und Bewunderung in uns allen. Den Abend ließen wir auf dem Weihnachtsmarkt in der Nähe unserer Jugendherberge ausklingen, todmüde und mit voller Vorfreude auf den nächsten Tag fielen wir ins Bett.

Am nächsten Morgen stärkten wir uns bei einem reichhaltigen Frühstück in der JHB. Danach bahnten wir uns einen Weg durch die unzähligen Traktoren der Großdemonstration am Brandenburger Tor. Angekommen am Bundestag besichtigten wir als erstes die Glaskuppel und erfuhren bei einem Rundgang vieles über bekannte Gebäude Berlins. Von dort aus konnte man in den zentral gelegenen Plenarsaal blicken. Bei genauerem Hinsehen fiel uns ein lilafarbenes Jackett ins Auge: Frau Merkel höchstpersönlich, wer hätte das gedacht?! Zum Glück hatten wir die Möglichkeit, sie anschließend von der Tribüne des Plenarsaals live zu erleben. Bei einer Debatte über den Finanzhaushalt lernten wir mehr über die wirtschaftliche Lage Deutschlands und über die Meinungen der Abgeordneten verschiedener Parteien. Das Miterleben einer Plenarsitzung war für jeden von uns ein besonderes Ereignis. Nach einem kurzen Raumwechsel und einem Fototermin begann das Gespräch mit der SPD-Abgeordneten Daniela Kolbe. Das von uns angesprochene Hauptthema betraf vor allem die Zukunft der Umweltpolitik, mit dem Hauptaugenmerk auf E-Autos und Nahverkehr. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau kam ebenfalls zur Sprache und so diskutierten wir mit ihr eine Stunde lang über die Ziele der SPD. Mit ihren schlagfertigen Antworten und ihrem freundlichen Auftreten wuchs unser Interesse an politischen Fragestellungen und Themengebieten. Anschließend haben wir es uns im Pavillon schmecken lassen! Kurz vor unserer Heimfahrt besichtigten wir die Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße. Ein Film schilderte uns die Situation vom Mauerbau bis zur Wiedervereinigung Deutschlands. Bei der darauffolgenden Besichtigung eines Mauerstücks fiel uns sofort die große Wand mit verschiedenen Bildern ins Auge. Unser Guide erzählte uns beim Betrachten der Personen wahre Geschichten von gescheiterten Fluchtversuchen aus der DDR in die BRD. Der Aufbau der „Todeszone“ wurde uns mit Begriffen, wie zum Beispiel „Stalinrasen“, mit welchem die Flächensperren, die mit Nägeln versehen waren, umgangssprachlich bezeichnet wurden, ebenfalls nähergebracht. Allerdings hat uns für weitere Fragen leider die Zeit gefehlt, da wir schnellstens die Rückfahrt antreten mussten, die durch die vielzähligen Traktoren sehr langwierig wurde. 19 Uhr in Schkeuditz angekommen blickten wir auf zwei politisch geprägte Tage zurück und im Gepäck brachten wir viel neu erlangtes Wissen und schöne Erlebnisse mit. Insgesamt haben wir viel erlebt, gelernt und gesehen. Die Organisation war super, jedoch hätten wir einen weiteren Tag benötigt, um mehr Zeit für einzelne Programmpunkte zu haben und die Bildungsfahrt stressfreier zu erleben. Zusammenfassend hat uns der Ausflug nach Berlin sehr gefallen, hat für Abwechslung im Schulalltag gesorgt und ist für die kommende 11. Klasse sehr empfehlenswert.

Maxima Klein und Luisa Käfer

Klasse 12 Gymnasium Schkeuditz